Ich habe Angst ohne Grund! Warum?

Lange Zeit war genau das für mich das Beängstigendste an der ganzen Sache.
Wenn es einen klaren Grund für die Angst gegeben hätte, hätte ich sie wenigstens verstehen können. Vor einer Prüfung nervös zu sein, vor einer wichtigen Entscheidung unsicher zu werden oder nach einer schlechten Nachricht Angst zu haben – das ergibt Sinn.
Wenn man morgens aufwacht und die Angst ist schon da
Was ist, wenn man auf dem Sofa sitzt, einen ganz normalen Tag hat und plötzlich dieses unangenehme Gefühl auftaucht? Dieses Gefühl von Anspannung, Unruhe oder sogar Panik, obwohl eigentlich nichts passiert ist.
Genau das habe ich lange nicht verstanden.
Immer wieder habe ich nach einer Erklärung gesucht. Ich habe überlegt, was der Auslöser sein könnte. Habe meinen Tag analysiert, meine Gedanken durchforstet und versucht herauszufinden, was mit mir nicht stimmt.
Je mehr ich suchte, desto ratloser wurde ich.
Heute glaube ich, dass Angst nicht unbedingt immer einen sichtbaren Auslöser braucht. Nur weil ich keinen Grund erkennen konnte, bedeutete das nicht, dass mein Körper keinen Stress hatte. Oft sammeln sich Belastungen über Wochen oder Monate an. Sorgen, Konflikte, Überforderung oder ständige Anspannung verschwinden nicht einfach. Irgendwann meldet sich der Körper – manchmal genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet.
Was mir damals niemand gesagt hat: Angst kann sich völlig grundlos anfühlen und trotzdem eine Erklärung haben.
Das bedeutet nicht, dass man verrückt wird. Es bedeutet nicht, dass man die Kontrolle verliert. Und es bedeutet auch nicht, dass etwas Schlimmes passieren muss.
Bei vielen Menschen mit Angststörungen taucht die Angst scheinbar aus dem Nichts auf. Genau das macht sie oft so schwer verständlich.
Für mich war es eine große Erleichterung zu erkennen, dass nicht jede Angst eine akute Gefahr bedeutet. Dennoch, auch wenn diese Angststörung nicht immer erklärbar, konnte ich für mich die Gründe herausfinden. Im Wesentlichen waren es enorme Stress-Situationen im Job, auch persönliche Belastungszeiten, die sich über viele Jahre hinweg etabliert haben. Dann reagiert das Nervensystem über längere Zeit empfindlicher, als es eigentlich müsste. Die Angst fühlt sich dann zwar echt und bedrohlich an, sagt aber oft viel weniger über die Realität aus, als man in diesem Moment glaubt.
Wichtig ist auch immer ein Check-up bei der Hausärztin oder dem Hausarzt, um organische Ursachen auszuschließen.
Wichtig ist, dass wir das erkennen und unsere Hoffnung niemals aufgeben. Denn wir können mit dieser Angststörung trotzdem ein schönes und glückliches Leben leben.

